Inklusion und wachsen können. Mit dem Tumor mussten der Oberarmknochen sowie Teile des Schultergelenks und der Muskulatur entfernt werden. Damit war ein eigenständiges Heben des rechten Arms nicht mehr möglich. Ahmet Günes musste um seine wirt- schaftliche Zukunft und die seiner Familie bangen. Ein glücklicher Zufall Doch da war dieser zufriedene Kunde, der regel- mäßig in den Barbershop kam: Simon Rosewich. Orthopädie-Techniker-Meister und Werkstattleiter Orthopädietechnik bei Schaub, dem großen Frei- burger Sanitätshaus. Als Ahmet Günes zur Hilfs- mittelversorgung ins Sanitätshaus Schaub kam, hatte Rosewich eine Idee: Ein Exoskelett, das die Führung des Arms übernehmen kann. Rosewich, dessen Spezialgebiet die Versorgung der oberen Extremitäten ist, übernahm eine herausfordernde Aufgabe. Der Orthopädie-Techniker-Meister wusste, dass gerade ein bundesweites Forschungsprojekt des Stuttgarter Fraunhofer-Instituts für Produktions- technik und Automatisierung zur körperlichen Entlastung von schwerbehinderten Beschäftigten durch Exoskelette läuft und nahm Kontakt zu der Forschungsgesellschaft auf. „Wir haben vielleicht fünf oder sechs Exoskelette ausprobiert“, erklärt er. Aber keines wollte so richtig für die Anforderun- gen von Ahmet Günes passen. Über einen Tipp des Fraunhofer-Instituts kamen Günes und Rosewich auf den Technischen Bera- tungsdienst (TBD) des Inklusions- und Integrati- onsamts beim KVJS, denn der TBD beteiligt sich an dem Forschungsprojekt zu Exoskeletten. Zwar kam der Friseur aus Lahr nicht für das Projekt in Frage, da er seinen Arm nicht selbstständig heben kann, aber dafür hatte er nun Kontakt zu der Stelle, die für die Förderung von berufstäti- gen Menschen mit Behinderung zuständig ist. Und zwar nicht nur mit Rat und Tat, sondern auch wenn nötig mit einer Finanzspritze. Maßgefertigte Unterstützung Mittlerweile sah Simon Rosewich für den 29-jähri- gen Familienvater ein individuell maßgefertigtes Hilfsmittel vor: „Ich habe ein konfektioniertes Modell weiterentwickelt“, erklärt er. Kernele- mente des angepassten Exoskelettes sind zwei über den Rücken verlaufende geprägte Federn. Der Orthopädie-Techniker-Meister passte deren Stärke so lange an, bis deren Spannung flüssige Bewegungen des Arms möglich machten. Sind die Federn zu stark, kann der Arm gehoben, aber nicht gebeugt werden, sind sie zu schwach, kann der Arm nicht richtig geführt werden und baumelt herum. Das verlangt viel Fingerspitzengefühl – das zum Glück nicht nur Simon Rosewich, sondern auch Ahmet Günes immer noch hat. Im April kam schließlich der große Moment: Ahmet Günes probierte zum ersten Mal das neue Exoskelett an. Rosewich fasst das Resultat in einem schlichten Satz zusammen: „Es war ein voller Erfolg.“ Aktuell arbeitet er am Feinschliff des Feinschliffs auf dem Weg zur Perfektion. Ahmet Günes trägt und testet das Exoskelett aktu- ell phasenweise. Für das Anlegen des Exoskeletts braucht er heute mit Unterstützung zwei Minuten und ohne Hilfe fünf Minuten, wie er schätzt. Er ist aber zuversichtlich, dass er bald wieder voll durch- starten und sich der Verschönerung seiner Kunden widmen kann. Und Fußball spielt er auch wieder. Ohne Hilfsmittel. Wie finden eigentlich seine Kinder ihren Vater mit dem Exoskelett? „Papa, du bist jetzt der Terminator“, gibt Ahmet Günes den Kommentar seiner Kids wieder. Es klingt stolz. | Monika Kleusch 3/2026 KVJS Aktuell 17